Kirchenordnung, 1564
Überall, in Städten und Märkten und in den Pfarreien, sollen lateinische, deutsche und slowenische Schulen gegründet werden
Kein Land, keine Stadt und keine Gemeinde kann ohne Schulen, ohne Schüler und ohne gelehrte Leute sein; ohne sie kann man weder weltliche noch geistliche Dinge recht ordnen und erhalten. Das kann jeder vernünftige Mensch verstehen. Darum hatten nicht nur gläubige, gottesfürchtige Menschen, sondern auch weise Heiden überall in ihren Städten und Ländern kleine und große Schulen und darin gelehrte und weise Leute. Die Ägypter und Philister hatten ihre Priester (1 Mose 47; 1 Sam 6), die Chaldäer und Perser ihre Magier, ihre Weisen (Dan 1; 2), die Inder ihre Gymnosophisten, die Griechen in Athen und anderswo hohe Schulen und viele Philosophen und große Gelehrte, die Römer ihre Collegia. Und der Herr ließ zur Zeit der alten Kirche Israels in allen Städten Schulen einrichten (4 Mose 35). Die großen Propheten wie Samuel, Elia und Elisa waren selbst Lehrer, und ihre Schüler hießen Nasiräer oder ‚Prophetenkinder‘ (1 Sam 10; 2 Kön 6; Am 2; Klgl 4). Als Christus und seine Jünger durch das jüdische Land zogen, gab es in allen jüdischen und griechischen Städten Synagogen, das heißt Schulen, und in Jerusalem eine hohe Schule (Lk 4; 8; 21; Joh 9; 12; 16; 18; Apg 6; 9; 13; 14; 15; 17). Auch die Apostel und der heilige Paulus setzten Schulen und Lehrer ein (Apg 13; 1 Kor 14). Nach den Aposteln begann man überall in der Christenheit Schulen zu gründen und gottesfürchtige, gelehrte Lehrer einzusetzen, wie Pantänus, Klemens, Origenes, Heraklas und Dionysius. Dann errichteten christliche Kaiser, Könige und Herzöge überall Collegia, Klöster, Schulen und Stifte, um darin begabte, gelehrte Knaben zu erziehen, die die Heilige Schrift recht verstanden, auslegten und predigten und danach kirchliche, obrigkeitliche und städtische Dinge zu verwalten und zu leiten wussten. Darum ist es auch in unserer Zeit sehr wichtig, dass überall Schulen gegründet werden, damit wir der Kirche guten Samen junger, gelehrter Menschen hinterlassen, Gott zur Ehre und der ganzen Christenheit zum Besten. Kaiser, Könige, Herzöge und Obrigkeiten aller Art sind verpflichtet, gute, gelehrte Lehrer und fähige junge Leute in die Klöster und Stifte zu setzen, die faulen, nachlässigen, gierigen, unreinen und abgöttischen Priester und Mönche aber hinauszuwerfen und zu vertreiben.
In jeder Stadt, jedem Markt und bei jeder Pfarrei soll es Lehrer und Schüler geben: in Städten und Märkten, damit sie Latein und Deutsch lernen, bei den Pfarreien aber, damit sie von Priestern, Kaplänen und Mesnern die slowenische Schrift, das Lesen und Schreiben lernen. Dadurch wird der rechte alte Glaube wieder aufgerichtet und in aller Welt ausgebreitet; wir werden rechte, Gott wohlgefällige Gottesdienste und Gebete, Gottesfurcht, Ehrbarkeit und Liebe zu Gott und unter den Menschen aufrichten, und der Götzendienst wird unterdrückt werden. Und dadurch werden wir auch unsere Länder vor den Türken, vor unseren Feinden und vor Not, Unwetter und Viehsterben bewahren und schützen und am Ende unseres Lebens die himmlische Freude durch Jesus Christus empfangen. Dazu und zu allem Guten gebe Gott unserer Obrigkeit seine Gnade, den Heiligen Geist, gute Gedanken und Absichten und deren Vollendung. Amen.