Trubars Worte

Trubar spricht …

Abschnitte aus drei Büchern Trubars, aus dem heutigen Slowenisch ins Deutsche übertragen. Original und slowenische Übertragung finden Sie in den Büchern des Trubar-Forums.

Eine Seite aus dem Katechismus, in Fraktur mit roten Überschriften gedruckt
Katechismus, 1550

Kirchenordnung, 1564

Überall, in Städten und Märkten und in den Pfarreien, sollen lateinische, deutsche und slowenische Schulen gegründet werden

Kein Land, keine Stadt und keine Gemeinde kann ohne Schulen, ohne Schüler und ohne gelehrte Leute sein; ohne sie kann man weder weltliche noch geistliche Dinge recht ordnen und erhalten. Das kann jeder vernünftige Mensch verstehen. Darum hatten nicht nur gläubige, gottesfürchtige Menschen, sondern auch weise Heiden überall in ihren Städten und Ländern kleine und große Schulen und darin gelehrte und weise Leute. Die Ägypter und Philister hatten ihre Priester (1 Mose 47; 1 Sam 6), die Chaldäer und Perser ihre Magier, ihre Weisen (Dan 1; 2), die Inder ihre Gymnosophisten, die Griechen in Athen und anderswo hohe Schulen und viele Philosophen und große Gelehrte, die Römer ihre Collegia. Und der Herr ließ zur Zeit der alten Kirche Israels in allen Städten Schulen einrichten (4 Mose 35). Die großen Propheten wie Samuel, Elia und Elisa waren selbst Lehrer, und ihre Schüler hießen Nasiräer oder ‚Prophetenkinder‘ (1 Sam 10; 2 Kön 6; Am 2; Klgl 4). Als Christus und seine Jünger durch das jüdische Land zogen, gab es in allen jüdischen und griechischen Städten Synagogen, das heißt Schulen, und in Jerusalem eine hohe Schule (Lk 4; 8; 21; Joh 9; 12; 16; 18; Apg 6; 9; 13; 14; 15; 17). Auch die Apostel und der heilige Paulus setzten Schulen und Lehrer ein (Apg 13; 1 Kor 14). Nach den Aposteln begann man überall in der Christenheit Schulen zu gründen und gottesfürchtige, gelehrte Lehrer einzusetzen, wie Pantänus, Klemens, Origenes, Heraklas und Dionysius. Dann errichteten christliche Kaiser, Könige und Herzöge überall Collegia, Klöster, Schulen und Stifte, um darin begabte, gelehrte Knaben zu erziehen, die die Heilige Schrift recht verstanden, auslegten und predigten und danach kirchliche, obrigkeitliche und städtische Dinge zu verwalten und zu leiten wussten. Darum ist es auch in unserer Zeit sehr wichtig, dass überall Schulen gegründet werden, damit wir der Kirche guten Samen junger, gelehrter Menschen hinterlassen, Gott zur Ehre und der ganzen Christenheit zum Besten. Kaiser, Könige, Herzöge und Obrigkeiten aller Art sind verpflichtet, gute, gelehrte Lehrer und fähige junge Leute in die Klöster und Stifte zu setzen, die faulen, nachlässigen, gierigen, unreinen und abgöttischen Priester und Mönche aber hinauszuwerfen und zu vertreiben.

In jeder Stadt, jedem Markt und bei jeder Pfarrei soll es Lehrer und Schüler geben: in Städten und Märkten, damit sie Latein und Deutsch lernen, bei den Pfarreien aber, damit sie von Priestern, Kaplänen und Mesnern die slowenische Schrift, das Lesen und Schreiben lernen. Dadurch wird der rechte alte Glaube wieder aufgerichtet und in aller Welt ausgebreitet; wir werden rechte, Gott wohlgefällige Gottesdienste und Gebete, Gottesfurcht, Ehrbarkeit und Liebe zu Gott und unter den Menschen aufrichten, und der Götzendienst wird unterdrückt werden. Und dadurch werden wir auch unsere Länder vor den Türken, vor unseren Feinden und vor Not, Unwetter und Viehsterben bewahren und schützen und am Ende unseres Lebens die himmlische Freude durch Jesus Christus empfangen. Dazu und zu allem Guten gebe Gott unserer Obrigkeit seine Gnade, den Heiligen Geist, gute Gedanken und Absichten und deren Vollendung. Amen.

Katechismus, 1550

Für alle Slowenen bitte ich um Gnade, Frieden, Barmherzigkeit und die rechte Erkenntnis Gottes durch Jesus Christus

Liebe Christen, diese Lehren aus der Heiligen Schrift (und ihre Auslegungen, in Lieder gefasst), die jeder vernünftige Mensch kennen und halten muss, der in den Himmel kommen will, dazu auch die Litanei und eine Predigt, habe ich in diesem Büchlein in unsere Sprache übersetzt, Gott zur Ehre und allen jungen und ungelehrten Menschen in unserem Land zum Besten. Aus diesem Büchlein kann nämlich jeder den rechten alten Glauben lernen, damit er den wahren Gott erkennt und ihm recht zu dienen weiß; und damit er auch sich selbst erkennt: was Sünde ist, was Gottes Gebot und Verheißung ist, warum Jesus, Gottes Sohn, Mensch geworden ist und gelitten hat; wie wir durch den Glauben an Jesus Christus die Vergebung aller Sünden, Gottes Gnade, das himmlische Erbe und das ewige Leben empfangen; wie wir in aller Not Gott recht anrufen sollen; was die Taufe und was die rechte alte Messe ist. Wer die Lehren dieses Büchleins recht versteht, der wird auch die Evangelien in der Heiligen Schrift und andere Predigten recht verstehen.

Aber der wahre Glaube, von dem Christus überall in den Evangelien spricht und von dem der heilige Paulus, die Apostel und die Propheten schreiben, der Glaube, durch den der Mensch Vergebung der Sünden empfängt und fromm und gerecht vor Gott gemacht wird, sodass er in den Himmel kommt, ist allein der Glaube, der nicht nur weiß und glaubt, dass Gott ist, sondern auch den wahren Gott kennt, der Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Wer so glaubt, weiß auch, wie Gott gegenüber den Menschen gesinnt ist, und glaubt fest an Gottes Wort; im Glauben ehrt er Gott recht und hält ihn für allmächtig und wahrhaftig. Und auch wenn er nicht sieht, nicht fühlt, nicht erfasst und nicht recht versteht, was Gott ihm sagt oder verheißt, glaubt er dennoch, dass es so ist und so sein wird, wie Gott sagt.

Mit solchem Glauben kann ein Christ in Not und Anfechtung stehen und bestehen und dem Unglauben widerstehen, der in unserem Fleisch steckt. Mit ihm kann er seiner eigenen törichten Weisheit und Vernunft, dieser Welt und dem Teufel widerstehen, damit uns all das nicht von Gottes Wort abwendet oder wegführt und wir an Gott und seinem Wort nicht zweifeln und wanken.

Abecedarium, 1550

Für alle jungen und einfachen Slowenen bitte ich den himmlischen Vater im Namen Jesu Christi um Gottes Gnade und ewige Güte

Der heilige Paulus spricht vom Nutzen der Schrift so: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung oder zum Wachsen in der Wahrheit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt“ (2 Tim 3,16–17). Mit diesen Worten will der Heilige Geist durch den heiligen Paulus allen Menschen sagen, dass man einen Menschen, der von Jugend auf unverständig, ungelehrt, voller Bosheit, stets zum Bösen geneigt ist und nur nach seinem bösen Willen handeln will, auf keine andere Weise zum Guten erziehen, weise machen und im Guten erhalten kann als allein durch das Wort der Heiligen Schrift. Aus der Schrift lernen wir nämlich, woher das böse Gift kommt, das den Menschen so böse und unverständig macht und ihn zum Bösen treibt. In ihr erkennen wir auch die Arznei: wie und auf welche Weise der Mensch dieses Gift – also die Sünde – von sich abwenden kann, damit er wieder gut, weise und Gott lieb wird, bis ans Ende in Gottes Gnade bleibt und in den Himmel kommt. Darum hat Gott der Herr auch den Eltern so oft geboten, den Jungen Gottes Gebote zu geben und sie darin zu unterrichten (siehe 5 Mose 6,7 und 11,19). Darum habe ich, der ich euch Slowenen als geistlicher Leiter vorgesetzt bin, in dieses Büchlein die wichtigsten Lehren unseres rechten Glaubens geschrieben. Darin wollte ich auch einen leichten und kurzen Weg zeigen, auf dem jeder bald lesen lernen kann.

Medien

Der Katechismus in Videos (slowenisch)

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