Trubars Bedeutung

Primož Trubar – ein Mann für alle Zeiten

* 1508, Rašica bei Velike Lašče · † 1586, Derendingen in Deutschland 7 Min. Lesezeit

2008 gedachte die ganze Kulturwelt, auch unter der Schirmherrschaft der UNESCO, des 500. Geburtstags des Vaters des slowenischen Buches und der slowenischen Literatur, der slowenischen Schriftsprache und damit auch des slowenischen Volkes und seiner heutigen staatlichen Selbstständigkeit. Die Christen in Slowenien erinnern sich an Primož Trubar jedoch vor allem wegen dessen, was dieser einfache, aber reich begabte slowenische Verkündiger des wahren Evangeliums für seine Landsleute und viele andere im geistlichen und ewigen Sinn getan hat.

Es ist wahr, dass es ohne Trubar wohl keinen selbstständigen und in vieler Hinsicht blühenden slowenischen Staat gäbe – doch das wäre nicht das größte Unglück für die Menschen, die in diesen Gegenden geboren werden und leben. Es ist wahr, dass es ohne Trubar wohl keine gemeinsame slowenische Schriftsprache und keine so reiche Literatur gäbe – doch auch das wäre nicht das größte Unglück für die Bewohner der Landschaften zwischen Alpen und Adria. Ein Unglück ohne jeden Vergleich aber wäre es, wenn die Slowenen nie vom Evangelium Jesu Christi und seiner Apostel gehört hätten, der einzigen Anleitung für den Eintritt in das ewige Himmelreich, das der letzte Sinn und das Ziel des menschlichen Lebens ist. Jesu Wort „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Mk 8,36) lässt sich auch auf Slowenien übertragen: Was hilft es einem Slowenen, wenn er sich seiner Volkszugehörigkeit bewusst wird, eine gemeinsame Schriftsprache und darin eine reiche Literatur schafft, einen eigenen Staat gründet und unter anderen, auch größeren Völkern als tüchtiges und erfolgreiches Volk in einer wunderbaren Natur angesehen ist – wenn er selbst und seine Landsleute ihr einziges wahres Lebensziel, das in der Ewigkeit bei Gott liegt, vergessen und ihr ewiges Leben, ihre Erlösung verspielen?

Es ist schön, Bürger Sloweniens zu sein, doch diese Staatsbürgerschaft ist begrenzt und vorläufig. Das Ziel aller Menschen auf Erden, auch der Slowenen, ist um eine ganze Ewigkeit höher: Bürger des Reiches Gottes zu werden! Den Weg, auf dem ein Mensch das Recht bekommt, in Gottes Reich einzutreten und für alle Ewigkeit sein Bürger zu werden, hat uns Primož Trubar gezeigt, als er als Erster alle vier Evangelien ins Slowenische übersetzte, sodass zwischen dem einfachen Slowenen und seinem Gott kein anderer Mittler mehr stand als Jesus Christus. Dank Trubar hat Gott auch auf Slowenisch gesprochen, damit sich niemand herausreden kann.

Trubar ist groß, auch im europäischen und weltweiten Vergleich, in allem, was er für sein Volk getan hat und auch für andere Völker, denen er in ihrer Sprache predigte und für die er Bücher in ihrer Sprache und Schrift druckte. Durch Trubar zeigt sich aber auch die Größe Gottes, die weit über aller menschlichen Größe und Macht steht. Wie der Schreiber des Hebräerbriefes gleich zu Beginn sagt: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten …“ Der Erste unter den slowenischen Propheten ist gewiss Primož Trubar.

Wie zur Zeit Trubars und der Türkeneinfälle hat das slowenische Volk heute mit modernen Formen von Einfällen zu tun: Verachtung des Staates und seiner Rechtsordnung, Grobheit und Unverschämtheit im Umgang miteinander, Ungehorsam der Kinder gegenüber Eltern, Lehrern und Vorgesetzten, Selbstjustiz an der Rechtsordnung vorbei, zunehmende Abhängigkeit von Alkohol und Drogen, erschreckende Zahlen von Abtreibungen und Selbstmorden, der Zerfall von Familien und die Scheidung als normales Ereignis im Leben, zunehmende Kriminalität, Gewalt und Perversion. Das sind nur einige Beispiele für persönlichen und gesellschaftlichen Verfall. Sowohl der Staat als auch der Einzelne sind diesen Einfällen fast völlig hilflos ausgeliefert.

Trubars Größe ist die Folge seiner persönlichen Veränderung. Nur weil er der Bibel und Jesus persönlich begegnete, hat er die Geschichte geprägt. Trubar erkannte zuerst, dass er gegen Gott gesündigt hatte, wie die Bibel sagt: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten“ (Röm 3,23). Er erkannte auch, dass Gott gerecht ist und den Sünder bestrafen muss. Nur ein ungerechter Richter würde über die Sünde hinwegsehen. Gott aber ist vollkommen gerecht und wird jeden so richten; er „gebietet den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit …“ (Apg 17,30–31). Der Lohn der Sünde ist die ewige Trennung von Gott und ewiges Leiden: „Denn der Sünde Sold ist der Tod …“ (Röm 6,23). Die Bibel sagt auch: „Durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch vor ihm gerecht“ (Röm 3,20) – der Mensch kann sich also nicht mit guten Taten, Geld oder anderen Dingen von seiner Sünde freikaufen. So ist der Mensch ein Sünder in den Händen eines gerechten Gottes, ohne Hoffnung auf Begnadigung.

Doch Gott liebt den Menschen und will nicht, dass er ewig leidet. Wie soll Gott also seiner Gerechtigkeit und seiner Liebe zugleich genügen? Die einzige Lösung, die Gott fand, war, seinen Sohn zu senden. Jesus hat mit seinem Tod am Kreuz für die Sünden jedes Menschen bezahlt, der sich mit Gott versöhnen will. „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber“ (2 Kor 5,19). Und wieder sagt die Bibel: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16). Das ist ein Geschenk, das man nicht bezahlen kann. Man kann es nur annehmen oder ablehnen. Trubar nahm dieses Geschenk an und veränderte die Welt.

So hat auch Trubar mit seinem Leben und Werk zu den Slowenen gesprochen wie der Apostel Paulus Jahrhunderte zuvor: „So bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2 Kor 5,20). Der englische Schriftsteller Robert Bolt schrieb das Stück A Man for All Seasons (Ein Mann zu jeder Jahreszeit) über den englischen Lordkanzler, Juristen, Philosophen und Schriftsteller Thomas Morus, den König Heinrich VIII. einkerkern und enthaupten ließ, weil er sich dem ausschweifenden Leben des Königs widersetzte. Das Stück hatte 1960 großen Erfolg auf der Bühne, und 1966 drehte Fred Zinnemann danach einen sehr erfolgreichen Film. Auch die Slowenen haben einen Mann für alle Zeiten, Primož Trubar. Man nahm ihm nicht den Kopf, wohl aber die Heimat – und bis heute ein gerechtes und vollständiges Urteil über ihn.

Stationen seines Lebens

  • geboren in Rašica bei Velike Lašče als Sohn des Zimmermanns und Müllers Miha, eines Untertanen der Grafen von Turjak (Auersperg), und der Mutter Jera;
  • Schulzeit in Rijeka, Salzburg, Triest bei Bonomo und Wien; Bonomo macht ihn mit den Werken der Schweizer Reformatoren und des Erasmus von Rotterdam bekannt;
  • Bonomo weiht Trubar zum Priester; er dient in Loka bei Zidani Most, in Laško, Celje und als Domherr in Ljubljana;
  • der Laibacher Bischof Textor vertreibt Trubar und beschlagnahmt seinen Besitz; Trubar flieht nach Deutschland und gibt 1550 sein erstes Werk heraus, Abecedarium und Katechismus;
  • in Deutschland wird er bald Prediger in Rothenburg ob der Tauber; 1549 kommt Barbara Sitar aus Kranj nach, die er heiratet und mit der er mehrere Kinder hat;
  • Pfarrer in Kempten im Allgäu;
  • Trubar führt die lateinische Schrift ein und öffnet damit dem Slowenischen den Weg in die europäische Welt;
  • die Krainer Landstände rufen ihn als Prediger nach Ljubljana; er muss erneut weichen; in Urach leitet er Ungnads Druckerei und gründet eine Bibelanstalt für Bücher auf Slowenisch, Kroatisch und Serbisch;
  • Superintendent in Ljubljana, wo er die slowenische Kirchenordnung herausgibt;
  • flieht erneut nach Deutschland, nach Lauffen und Derendingen, wo er bleibt;
  • kehrt heimlich nach Ljubljana zurück und trifft den gefangenen türkischen Befehlshaber Usraim-Beg, um den Islam und den Koran kennenzulernen; ein Versuch, auch andere gefangene Türken in Ribnica zu treffen, scheitert;
  • stirbt in Derendingen und wird dort begraben.

Trubars Werk

Trubar veröffentlichte insgesamt 22 Bücher auf Slowenisch und zwei auf Deutsch. Die wichtigsten slowenischen Bücher sind:

  • Katechismus und Abecedarium (1550/51) – der Beginn der Evangelisation unter den Slowenen und zugleich der Beginn der slowenischen Literatur und Schriftsprache. Die beiden Heftchen (Catechismus in der windischen Sprach und Abecedarium) wurden noch in deutscher Fraktur gedruckt und erst in der nächsten Auflage in lateinischer Schrift; sie erschienen in Tübingen. Trubar unterschrieb als Philopatridus Illyricus (illyrischer Patriot).
  • Der erste Teil des Neuen Testaments (1557; 2. und 3. Teil 1560 und 1577) – die erste slowenische Bibelübersetzung; 1584 folgt Dalmatins Übersetzung der ganzen Bibel. Er enthält die Evangelien und die Apostelgeschichte, mit einer Vorrede über die Lehren aus Luthers Glaubensauslegung, einem Kalender und einer Postille (Auslegung der Sonntags- und Festtagsevangelien).
  • Die Kirchenordnung (1564) – die Grundlage einer selbstständigen evangelischen Kirche unter den Slowenen. Darin steht auch die Forderung nach slowenischen Schulen und dem Recht auf den Gebrauch der slowenischen Sprache. Weil dieses Buch, auf seine Weise auch ein Gründungsdokument slowenischer Staatlichkeit, in die Vorrechte des Landesfürsten eingriff, verbot er es und ließ Trubar verbannen.
  • Er stellte auch Gesangbücher mit eigenen und bearbeiteten christlichen Liedern zusammen und ist damit der erste slowenische Liedermacher. Er schrieb zehn deutsche Vorreden zu Büchern anderer Autoren.

Zusammengestellt von Vinko Ošlak

Der Text als PDF (3,5 MB, slowenisch)